Sonntag, 23. September 2018
Pressebericht Abstauben 2013

Dienstmann verdient sich die Hexenwürde

Wer bei den Narrenfreunden Aldingen Hexe werden will, muss Lehrgang bestehen

ALDINGEN Streng nach Dienstanweisung der beiden Narrenoberen Ralf Schräpel und Filippo Campagna spielt sich in Aldingen das Abstauben der Häser ab. In Aldingen ist es gleich ein ganzer Zug, der in den vorangemeldeten Häusern bis in die kleinsten Ritzen der Masken schaut und sie samt Narrenhäs wieder auf Vordermann bringt.

Die abstaubenden Frauen und Männer kommen mit weißen Handschuhen, in Frack und Zylinder. Was aber hat zwischen den Abstaubern ein „Aloisius“, ein Dienstmann zu suchen? Wie zu erfahren ist, handelt sich um einen Anwärter für ein Hexenhäs. Und weil die Narrenoberen, wie sie mit erhobenem Zeigefinger verdeutlichen, verhindern wollen, dass Hexen über die Strenge schlagen, müssen die Anwärter in Aldingen eine Art Lehrgang durchzustehen. Überall dort, wo die Abstauber die Masken sauber wedeln, ist der Dienstmann Mann vom Dienst und derjenige, der nach Anweisung selbst die Schuhe der Gastfamilie zu putzen hat.

Oder er muss das Frühstücksgeschirr abspülen, muss der Hausfrau die Kartoffeln aus dem Keller holen und sie schälen oder er hat - wie beim Besuch bei Ehrenmitglied Heinz Zimmermann und seiner Frau Hildegard – den Tisch abzuräumen, die restliche Suppe zu essen und die leeren Flaschen in die Kisten zu sortieren.

Bei den Zimmermanns bekommt der Dienstmann zuvor mit, wie die Abstauber fürstlich verwöhnt werden. Nachdem diese fünf Narrenkleider und ebenso viele Masken vom Staub befreit haben, sei eine Stärkung wichtig. Dafür plädieren Heinz und Hildegard Zimmermann mit einer zünftigen Narrensuppe: Fleischbrühe mit Maultaschen, Backerbsen und Brät. Und hinterher gibt es „selbstverständlich noch ein Verdauungsschnäpsle“, so der Hausherr.

Nach dem „Seid ihr alle satt“ der Hausfrau wird dem Dienstmann als kleines Dankeschön der nächste Buchstabe auf das umgehängte Schild geschrieben. Abends, wenn dann im letzten Haus das Narrenkleid wieder glänzt, erhält der Dienstmann mit dem letzten Buchstaben für den künftigen Hexennamen auch das „o.H.“: das Prädikat einer „ordentlichen Hexe vom Bühl“.

(Erschienen: Schwäbische Zeitung 11.01.2013)

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